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Regenwasser nutzen: Welche Lösung eignet sich für kleine Gärten und große Flächen?

Primaflor 2025
2026-07-10 13:48:00 / Tipps & Tricks

Warum sollte man Regenwasser im Garten nutzen?

Regenwasser eignet sich besonders gut für die Bewässerung von Blumen, Sträuchern, Bäumen und vielen Nutzpflanzen. Im Gegensatz zu regional teilweise sehr kalkhaltigem Leitungswasser ist Regenwasser in der Regel weich und enthält nur wenige Mineralien. Das kann insbesondere für kalkempfindliche Pflanzen von Vorteil sein.

Gleichzeitig empfiehlt das Umweltbundesamt, Regenwasser zur Bewässerung von Garten- und Balkonpflanzen einzusetzen und es möglichst vor Ort versickern zu lassen. Dadurch wird weniger Trinkwasser verbraucht und die Kanalisation kann bei stärkeren Niederschlägen entlastet werden.

Die wichtigsten Vorteile auf einen Blick:

  • geringerer Trinkwasserverbrauch bei der Gartenbewässerung
  • kostenloser Wasservorrat für trockene Tage
  • weiches, meist kalkarmes Gießwasser
  • Entlastung der Kanalisation bei Starkregen
  • Möglichkeit, Wasser gezielt auf dem eigenen Grundstück zu speichern
  • sinnvolle Ergänzung für klimaangepasste Gärten

Welche Lösung am besten geeignet ist, hängt vor allem von der verfügbaren Dachfläche, der Größe des Gartens, dem Wasserbedarf und dem vorhandenen Platz ab.

Lösung 1: Regentonne für kleine Gärten

Für kleine Gärten ist die Regentonne meist der einfachste Einstieg in die Regenwassernutzung. Sie wird über einen Regensammler mit dem Fallrohr verbunden und füllt sich bei Niederschlag automatisch.

Übliche Regentonnen speichern ungefähr 200 bis 500 Liter Wasser. Wer mehr Wasser benötigt, kann mehrere Behälter miteinander verbinden oder auf einen größeren Tank umsteigen.

Für wen eignet sich eine Regentonne?

Eine Regentonne ist ideal für:

  • kleine Reihenhausgärten
  • Vorgärten
  • Terrassen mit angrenzender Dachfläche
  • Gewächshäuser
  • einzelne Blumen- oder Gemüsebeete
  • handwerklich begabte Gartenbesitzer, die eine einfache DIY-Lösung suchen

Neben klassischen runden Tonnen gibt es schlanke Wandtanks, die nur wenig Stellfläche benötigen. Einige Modelle sehen wie Mauern, Holzfässer oder dekorative Pflanzgefäße aus und lassen sich dadurch harmonisch in die Gartengestaltung integrieren.

Darauf solltest Du bei der Montage achten

Der Behälter benötigt einen festen und ebenen Untergrund. Eine gefüllte 300-Liter-Regentonne wiegt schließlich mehr als 300 Kilogramm. Ein instabiler Untergrund kann sich absenken oder dazu führen, dass die Tonne kippt.

Plane außerdem einen Überlauf ein. Ist der Behälter voll, sollte das zusätzliche Wasser kontrolliert in ein Beet, eine Versickerungsmulde oder einen geeigneten Ablauf geleitet werden. So fließt es nicht unkontrolliert an die Hauswand oder auf die Terrasse.

Eine Abdeckung schützt den Wasservorrat vor grobem Schmutz und verhindert, dass Kinder oder Tiere in den Behälter gelangen können.

Lösung 2: Wandtank oder verbundene Regentonnen

Ist eine einzelne Regentonne zu klein, muss nicht sofort eine Zisterne eingebaut werden. Für kleinere und mittelgroße Gärten können mehrere miteinander verbundene Behälter eine praktische Zwischenlösung sein.

Sobald der erste Tank gefüllt ist, gelangt das Wasser über einen Verbindungsschlauch in den nächsten Behälter. Auf diese Weise lässt sich das Speichervolumen schrittweise erweitern.

Diese Lösung eignet sich besonders, wenn:

  • mehrere Fallrohre vorhanden sind,
  • ausreichend Platz an Garage oder Gartenhaus besteht,
  • keine umfangreichen Erdarbeiten gewünscht sind,
  • das System später erweitert werden soll,
  • Beete per Gießkanne, Schlauch oder Tropfbewässerung versorgt werden.

Schmale Wandtanks nutzen die vorhandene Fläche besonders effizient. Für handwerklich geschickte Gartenbesitzer ist auch ein verkleideter Tank interessant: Mit Holzlamellen, Rankgittern oder einer bepflanzten Sichtschutzkonstruktion lässt sich der Speicher optisch in den Garten integrieren.

Lösung 3: IBC-Container für große Wassermengen zum kleinen Preis

IBC-Container sind robuste Großbehälter, die häufig rund um Werkstätten, landwirtschaftliche Flächen oder größere Nutzgärten eingesetzt werden. Sie bieten viel Volumen und lassen sich vergleichsweise einfach an ein Fallrohr anschließen.

Optisch passen die meist weißen Kunststoffbehälter jedoch nicht in jeden Garten. Eine selbst gebaute Verkleidung aus Holz kann den Tank verdecken und gleichzeitig als Rankhilfe oder Ablagefläche dienen.

Beim Kauf eines gebrauchten Behälters solltest Du unbedingt darauf achten, wofür er vorher genutzt wurde. Behälter mit unbekannten oder problematischen Rückständen sind für die Bewässerung von Gemüse, Kräutern und Obstpflanzen ungeeignet.

Für einen gepflegten Wohngarten sind dekorative Großtanks häufig die optisch bessere Lösung. In einem Nutzgarten, auf einem Werkstattgrundstück oder hinter einem Sichtschutz kann ein IBC-Container dagegen sehr praktisch sein.

Lösung 4: Zisterne für große Gärten und Flächen

Wer regelmäßig große Mengen Regenwasser benötigt, sollte über eine unterirdische Zisterne nachdenken. Sie sammelt das Wasser von Haus-, Garagen- oder Hallendächern und speichert es unsichtbar im Erdreich.

Eine Pumpe transportiert das Wasser anschließend zu Zapfstellen, Gartenschläuchen, Tropfleitungen oder automatischen Bewässerungssystemen.

Wann lohnt sich eine Zisterne?

Eine Zisterne ist besonders interessant für:

  • große Privatgärten
  • umfangreiche Gemüse- und Staudenbeete
  • Baumbestände und Hecken
  • Gemeinschaftsgärten
  • Vereinsgrundstücke
  • Sport- und Freizeitflächen
  • Gewerbegrundstücke
  • Neubauten, bei denen der Erdtank direkt eingeplant werden kann

Die passende Größe richtet sich nicht nur nach der Gartenfläche. Entscheidend sind auch die angeschlossene Dachfläche, die örtliche Niederschlagsmenge und der tatsächliche Wasserbedarf. Diese Faktoren sollten gemeinsam betrachtet werden.

Welche Bestandteile benötigt eine Zisterne?

Ein funktionierendes System besteht normalerweise aus:

  • Regenwasserzulauf
  • Filter zur Rückhaltung von Laub und Schmutz
  • Speicherbehälter
  • beruhigtem Zulauf
  • Überlauf
  • Pumpe
  • Wasserentnahmestelle oder Bewässerungsanlage

Bei großen Anlagen ist eine fachgerechte Dimensionierung besonders wichtig. Bodenbeschaffenheit, Grundwasserstand, vorhandene Leitungen und mögliche Belastungen durch Fahrzeuge müssen bei der Planung berücksichtigt werden.

Wie lässt sich die passende Speichergröße bestimmen?

Für eine erste Einschätzung benötigst Du vier Angaben:

  1. die angeschlossene Dachfläche in Quadratmetern,
  2. die durchschnittliche Niederschlagsmenge am Standort,
  3. die Art der Dachfläche,
  4. den voraussichtlichen Wasserbedarf.

Eine vereinfachte Berechnung des möglichen Regenwasserertrags lautet:

Dachfläche × jährliche Niederschlagsmenge × Nutzungsfaktor = möglicher Regenwasserertrag

Ein Millimeter Niederschlag entspricht dabei einem Liter Wasser pro Quadratmeter. Von der theoretisch anfallenden Menge müssen Verluste abgezogen werden, beispielsweise durch Verdunstung, Filterung oder Wasser, das nicht vollständig vom Dach abläuft.

Ein besonders großer Speicher ist nicht automatisch die beste Lösung. Ist die angeschlossene Dachfläche zu klein, wird der Behälter nur selten vollständig gefüllt. Ist der Tank zu klein, läuft dagegen viel Wasser ungenutzt über. Bei größeren Projekten empfiehlt sich deshalb eine individuelle Berechnung.

Regenwasser versickern lassen statt nur speichern

Nicht jeder Liter Regenwasser muss gesammelt werden. Ebenso wichtig ist es, überschüssiges Wasser möglichst kontrolliert auf dem Grundstück versickern zu lassen.

Geeignete Lösungen sind beispielsweise:

  • Versickerungsmulden
  • bepflanzte Regengärten
  • Rigolen
  • wasserdurchlässige Wege
  • Kies- oder Splittflächen mit geeignetem Unterbau
  • begrünte Senken
  • Kombinationen aus Speicher und Versickerung

Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass Regenwasser von gering belasteten Flächen unter geeigneten Bedingungen beispielsweise in Mulden oder Rigolen gespeichert und über die Bodenzone versickert werden kann.

Bei einer Versickerungsmulde wird das Wasser zunächst in einer flachen, begrünten Vertiefung gesammelt. Von dort gelangt es langsam in den Boden. Ob eine solche Lösung möglich ist, hängt unter anderem von der Durchlässigkeit des Bodens, dem Grundwasserstand und der verfügbaren Fläche ab.

Für die fachliche Planung entsprechender Anlagen gilt seit Oktober 2024 das Arbeitsblatt DWA-A 138-1. Es behandelt die Planung, den Bau und den Betrieb von Anlagen zur Versickerung von Niederschlagswasser.